Bildung hängt stark vom Herkunftsland ab

Gepostet am 20.05.2016 um 16:07 Uhr

Bisher fehlte ein Überblick, welche Qualifikation Flüchtlinge tatsächlich mitbringen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat nun eine Studie vorgelegt. Darin wird deutlich: Der Bildungsstand hängt extrem vom Herkunftsland ab. Von Alex Krämer.

Bisher fehlte ein Überblick, welche Qualifikation Flüchtlinge tatsächlich mitbringen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat nun eine Studie vorgelegt. Darin wird deutlich: Der Bildungsstand hängt extrem vom Herkunftsland ab.

Von Alex Krämer, ARD-Hauptstadtstudio

Der top-ausgebildete Ingenieur, der sofort einen Job finden wird, ist ein Zerrbild. Der Analphabet, der nie eine Schule von innen gesehen hat, aber ganz genauso. Beide gibt es natürlich unter den Flüchtlingen, aber die große Mehrheit liegt irgendwo dazwischen.

68 Prozent sind jünger als 33 Jahre

Nach der Erhebung des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) waren 2015 etwa drei Viertel der Asylbewerber Männer, vorwiegend junge Männer. Etwa 68 Prozent der Flüchtlinge sind jünger als 33 Jahre. Bei der Ankunft sprechen nur sehr wenige, etwa zwei Prozent, Deutsch. Etwa ein Drittel gibt an, über Englischkenntnisse zu verfügen. Die allermeisten haben vor der Flucht gearbeitet. Das gilt insbesondere für die Männer, von denen viele Handwerker oder Hilfsarbeiter waren. Von den Frauen war nur etwa ein Drittel erwerbstätig.

Eine sehr große Bandbreite gibt es beim Bildungsniveau: Etwa ein Fünftel der Asylbewerber hat als höchste Ausbildungseinrichtung eine Hochschule oder Universität besucht. Weitere 20 Prozent haben ein Gymnasium, ein Drittel hat eine Mittelschule und weitere 22 Prozent haben lediglich eine Grundschule besucht. Sieben Prozent haben keine Schulbildung.

Syrer und Iraner gut ausgebildet

Betrachtet man allerdings nur die, die sehr gute Chancen auf Anerkennung haben, verschiebt sich das Bild: Besonders Syrer und Iraner sind deutlich besser ausgebildet als zum Beispiel Asylbewerber vom Balkan. Ungefähr 27 Prozent der Syrer geben an, eine Hochschule besucht zu haben, bei den Iranern sind es sogar 35 Prozent. Der Iran ist auch das einzige Herkunftsland, bei dem die Frauen, die von dort kommen, besser ausgebildet sind als die Männer. In der Regel sind die Qualifikationen der Frauen schlechter.

Eine Schlussfolgerung des BAMF aus der Studie ist daher, Frauen mit Bleibeperspektive besonders zu fördern. Eine weitere Erkenntnis ist, dass angesichts der sehr geringen Deutschkenntnisse Sprachkurse besonders wichtig sind. Diese Erkenntnis überrascht allerdings nicht. Denn ohne Deutsch wird es selbst für anerkannte und ansonsten ganz gut qualifizierte Flüchtlinge schwer, einen Job zu finden.

Flüchtlinge und Arbeitsmarkt: jung, männlich, mittlere Qualifikation
A. Krämer, ARD Berlin
13:17:00 Uhr, 20.05.2016

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 20. Mai 2016 um 10:09 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20.10.2017, 07:16:25