Fluchtursachen bekämpfen in 25 Stunden?

Gepostet am 09.02.2017 um 18:08 Uhr

Auf dem deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel soll es vor allem um eines gehen: Jobs schaffen. Dafür sind Wirtschaftsministerin Zypries und Entwicklungsminister Müller extra nach Kenia gereist. Mit Aussicht auf Erfolg?

25 Stunden sind Ministerin Zypries und Minister Müller in Kenia. Dass sie viel vom Land gesehen haben, wird keiner von beiden behaupten. Eine Saftfabrik guckt sich Müller an, Zypries besucht ein kleines Startup-Zentrum. Die meiste Zeit sind sie im Hotel, das, sobald man reinkommt, überall auf der Welt sein könnte. Beim kurzen Ausflug auf einen Markt in Nairobi taucht Brigitte Zypries ins wirkliche Leben ein. Worauf hin das wirkliche Leben auf dem Markt für eine halbe Stunde stillsteht, weil alle gucken, wer da kommt – mit einer Horde Anzugträger im Schlepptau.

Krise und Korruption

Deutsche sind immer noch was Besonderes in Kenia – so kann man den Marktbesuch deuten. Auf deutsche Unternehmen trifft das in jedem Fall zu. In Kenia, in fast ganz Afrika, sind deutsche Firmen unterrepräsentiert. Weil dauernd irgendwo Krise und Korruption ist. Vor allem aber, weil sie keinen richtigen Absatzmarkt für ihre teuren Produkte sehen.

Dass fast 500 Teilnehmer zum deutsch-afrikanischen Wirtschaftsgipfel gekommen sind, ist deshalb schon fast ein Wunder. Das gleich weniger wundersam erscheint, wenn man die afrikanischen Teilnehmer abzieht, die Mitarbeiter der Minister Müller und Zypries und die Mitarbeiter der Minister Gabriel und Schäuble. Wer dann noch übrig bleibt, gehört entweder zu einem Wirtschaftsverband oder ist auf Einladung einer der Minister da. Und nur ganz ganz wenige sind quasi von sich aus da.

Türöffner für Firmen

Irgendwie sind Zypries und Müller zumindest von sich aus da, irgendwie aber auch nicht ganz. Sie müssen Afrika in den Fokus nehmen, sollen Türöffner für Firmen sein. Denn Deutschland hat den G20-Vorsitz, Afrika ist ein Schwerpunkt. Deshalb gibt es Vorzeige-Projekte wie die Ausbildung 5000 junger Afrikaner nach deutschen Standards, wie sie die Bundesregierung im Kenia unterstützt. Es ist aber auch der Versuch, hunderttausende Menschen von einer Flucht aus Afrika abzuhalten. Das wird nur mit Jobs möglich sein. Und weil das so ist, kann man nur hoffen, dass Deutschland sein Engagement auch fortsetzt, wenn die G20-Präsidentschaft vorüber ist.

Zuletzt aktualisiert: 30.03.2017, 14:40:27