Ein Hoffnungsschimmer ist Steudtners Freilassung nicht

Gepostet am 26.10.2017 um 17:11 Uhr

Erdogan hebt und senkt den Daumen über das Schicksal der zu Unrecht Inhaftierten. Daher kann von einer Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen keine Rede sein, kommentiert Christina Nagel.

Wenigstens für einen ist der Alptraum vorbei. Peter Steudtner durfte das Gefängnis und die Türkei verlassen. Er kann zurück zu seiner Familie. Die Erleichterung, die Freude darüber sind groß. Und das völlig zu Recht. Schnell war in Berlin aber auch von einem “Hoffnungsschimmer” die Rede. Von einem Signal der Entspannung.

Aber ist es das wirklich? Die türkische Justiz hat das Verfahren, das auf kruden Anschuldigungen beruht, im Fall Steudtner nicht ad acta gelegt. Sie hat die Untersuchungshaft aufgehoben. Sie wird den Prozess aber fortführen.

Wahrscheinlich ein Kuhhandel

Eine Verurteilung in Abwesenheit ist durchaus möglich. Was das heißen kann, zeigt der Fall des Schriftstellers Akhanli, der lange Wochen in Spanien auf Geheiß der Türkei festsaß.

Dass Außenminister Gabriel die Vermittlungsbemühungen von Alt-Kanzler Schröder in diesem Fall würdigt, nährt zudem den Verdacht, dass es sich hier nicht um eine unabhängige juristische Entscheidung gehandelt hat, die doch immer alle fordern, sondern um eine politische. Wahrscheinlich sogar um einen Kuhhandel mit dem türkischen Präsidenten.


Erdogan bleibt also das Maß aller Dinge. Er hebt und senkt den Daumen – über das Schicksal der zu Unrecht Inhaftierten. Nicht nur derer mit deutschem Pass.

Sie sind und bleiben für ihn eine nützliche Verhandlungsmasse. Und weil das so ist, kann auch heute nicht von einer Verbesserung der Beziehungen, nicht einmal von einem Hoffnungsschimmer, die Rede sein.

Zuletzt aktualisiert: 22.11.2017, 11:45:01