Die CDU im Dornröschenschlaf

Gepostet am 20.03.2017 um 15:24 Uhr

Wahlkampf, nein danke? Während sich die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz im Höhenflug befindet, döst die CDU weiter vor sich hin. Joachim Wendler kommentiert.

Über dem Eingang des Konrad-Adenauer-Hauses müsste eigentlich ein Schild hängen: Willkommen in der Ruhezone CDU. Sie schlafen nämlich tief und fest, die Christdemokraten. Dass Wahlkampf ist, dass die SPD sich gerade zu neuen Höhen aufschwingt, dass viele Deutsche ihrer Kanzlerin überdrüssig sind – das alles geht an der CDU offenkundig vorbei. Als Martin Schulz gerade anfing, die politische Landschaft aufzurollen, da erklärte CDU-Generalsekretär Tauber: Wahlkampf kommt von kämpfen! Das ist jetzt anderthalb Monate her – und seitdem kämpft die CDU so hart wie Dornröschen. Stattdessen Ankündigungen! Die CDU will den SPD-Kandidaten inhaltlich stellen. Martin Schulz lässt sich aber nicht stellen, er liefert keine Inhalte, die ihn angreifbar machen. Er redet über soziale Gerechtigkeit – und das ist das Gewinnerthema der SPD. Was macht die CDU? Sie wartet brav darauf, dass Schulz von sich aus auf die Themen kommt, die der Union nützen: innere Sicherheit, Wirtschaft. Tja, dann träumt mal weiter, liebe Christdemokraten! Wenn aber der CDU-Generalsekretär Tauber sich doch zu Wort meldet, sagt er nur, was er alles nicht will: den SPD-Kandidaten Schulz persönlich angreifen, die Methoden von Donald Trump übernehmen. Das ist gut. Aber muss es heißen, dass die CDU überhaupt nicht kämpft?!

Warum kämpft die CDU nicht?

Viele Christdemokraten reden sich die Lage schön. Erstes Argument: Angela Merkel sei ja schon Kanzlerin, sie müsse gar nicht so kämpfen wie ihr Herausforderer. Naja, der Kanzler Gerhard Schröder hat 2002 sehr wohl gekämpft, und zwar ordentlich – und gewonnen. Zweites Argument der Zauderer: Angela Merkel würde nur nervös wirken, wenn sie plötzlich umschaltete von ihrem Präsidialmodus auf Attacke. Tja, wenn der Preis ihrer Gelassenheit die Wahlniederlage sein soll – bitte! Drittes Argument: Die CDU und Merkel seien doch bisher gut gefahren mit ihrer asymmetrischen Demobilisierung, mit dem Einschläfern des Gegners. Stimmt, nur diesmal lässt sich die SPD nicht einschläfern. Spätestens dieser Parteitag hat jetzt gezeigt: Sie werden einfach nicht müde, die Sozis! Das Gute an all dem ist: Wer genervt ist von politischem Streit, wer genervt ist vom Wahlkampf – der kann sich entspannen in der Ruhezone CDU.

Zuletzt aktualisiert: 24.03.2017, 20:53:17