Der Steuerzahler richtet’s schon

Gepostet am 15.08.2017 um 16:00 Uhr

Der Ausstieg von Etihad bei Air Berlin war wohl vorbereitet und clever durchdacht, meint unser Korrespondent Thomas Kreutzmann. 

August am Arabischen Golf. Die Sonne brennt, das Geld verbrennt. Nämlich jenes, dass Abu Dhabis flagship carrier Etihad seit Jahren in Air Berlin investiert hat. Eigentlich hatte Etihad versprochen, Air Berlin bis Herbst 2018 am Tropf zu lassen. Doch jetzt zog die neue Konzernspitze die Reißleine. Und das kam nicht unerwartet. Der bisherige Konzernchef James Hogan, der die katastrophale Wachstumsstrategie verfolgte, unrentable Fluggesellschaften wie Air Berlin oder Alitalia unter die Fittiche von Etihad zu nehmen, war schon Anfang Juli von der Konzernspitze abberufen worden.

Allein Air Berlin hatte 2016 fast 800 Millionen Euro Verlust gemacht – mehr als jeder fünfte Euro, den das Unternehmen umsetzte. Hoffnung am Horizont? Keine. Flugausfälle und notorische Gepäckprobleme führten aktuell trotz Hauptreisezeit zu einem drastischen Passagierrückgang. Und anders als Ryan Air hat Air Berlin das Geschäft mit den Billigstflügen nie wirklich verstanden. Da war kein Land in Sicht. Dass sich Lufthansa die besten Stücke vom Fleisch der langsam sterbenden Air Berlin herausreißen wird, war außerdem klar .

Warum also sollte Etihad seinem vielen schlechten Geld weiter gutes Geld hinterher werfen? Das dürfte man sich in Abu Dhabi gefragt haben. Etihad hat auch deutsche Mitarbeiter in Spitzenpositionen. Die dürften wissen, wie die deutsche Konsensgesellschaft tickt. Zumal in Urlaubs- und Wahlkampfzeiten. Dann soll nicht nur kein Kind zurück bleiben, sondern auch kein Flugpassagier. Genauso ist es gekommen.

Information ist alles

Die handelnden Ressortverantwortlichen von SPD und CSU in Wirtschafts- und Verkehrsministerium wurden frühzeitig informiert, damit sie mit dem Geld des Steuerzahlers wohl präpariert das Steuer übernehmen konnten. Information ist halt alles – schon allein, damit wahlkämpfende Politiker nicht versucht sein würden, schlecht über angeblich knausrige Araber zu reden – die in Wahrheit Air Berlin jenseits aller unternehmerischen Vernunft viel zu lange gestützt hatten.

Jetzt kauft also der Staat mit öffentlichem Geld den Fluglinien Air Berlin und Lufthansa Zeit, damit sie ihre Vertragsverhandlungen abschließen können. Dass es dazu kommt, wird rund um die Berliner Wilhelmstraße fest geglaubt. Der vorzeitige Ausstieg der Araber wird die Verhandlungsposition von Air Berlin nicht gerade stärken.

Lufthansa könnte versucht sein, auf Zeit zu spielen, um den Preis zu drücken. Aber da die deutsche Vorzeigefluglinie, die schon zu fast einem Drittel in ausländischer Hand ist, sich um ein positives Verhältnis zur deutschen Politik bemüht, wird Lufthansa wohl nicht die ganz harten Bandagen auspacken.

Ein kleiner Teil der Scherben

Und der Steuerzahler? Soll sein Geld zurückbekommen. Das sei ja auch nicht so sehr viel, entfuhr es Bundeswirtschaftsministerin Zypries bei ihrer kleinen Pressekonferenz. Vor allem, wenn es wirklich vollständig nach Abschluss der Abwicklung von Air Berlin in die Staatskasse zurückfließt, und nicht unter dem Riesenschuldenberg der Pleitefluglinie verschüttet wird.

Wenn das nicht passiert, hätte der Bund allerdings vieles richtig gemacht – zum Beispiel nicht vor Monaten voreilig Riesenbürgschaften zu übernehmen. Denn die Fehler bei Air Berlin haben nicht Politiker, sondern Manager und Investoren gemacht. Dass die Politik jetzt einen kleinen Teil der Scherben aufräumt, ist okay. Mehr sollte sie aber auch nicht tun.

Zuletzt aktualisiert: 24.09.2017, 23:20:15