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Der Einkaufshilfeminister

Gepostet am 06.10.2016 um 17:38 Uhr

Bundesminister Gerd Müller und das Welternährungsprogramm im Libanon

Gerd Müller streift durch einen kleinen Supermarkt an einer staubigen Landstraße in Qob Elias, im Norden Libanons. „Er ist nicht fachfremd, aber ein bisschen aus der Übung“, scherzt Gerti Müller-Hoorens. Sie begleitet ihren Mann, den Entwicklungshilfeminister, auf eigene Kosten auf seiner Reise durch die Länder, die Millionen syrische Flüchtlinge aufgenommen haben. Ihr Mann ist gerade Einkaufshelfer. Shaha Ibrahim lädt den Wagen voll: Reis, Bulgur, Öl. Vom Welternährungsprogramm bekommt sie 27 Dollar für Lebensmittel. Pro Kopf, pro Monat – für sie und ihre zehn Kinder.

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Bundesminister Gerd Müller mit Syrerin Shaha Ibrahim und ihrer Familie beim Einkauf.

Erst seit zwei Wochen darf eine kleine Anzahl syrischer Flüchtlinge eine Arbeitserlaubnis im Libanon beantragen. Die meisten von ihnen können – wenn überhaupt – nur illegal und schlecht bezahlt arbeiten. Die Lebensmittelhilfe ist für die syrischen Flüchtlinge im Libanon deshalb überlebenswichtig. Das hatten im vergangenen Jahr offenbar viele Regierungen in der ganzen Welt verdrängt. Auch Deutschland hatte seine Zahlungen an das Welternährungsprogramm gekürzt. Und so ging der Organisation das Geld aus. Die Folge: Statt 27 Dollar gab es nur noch 13,5 Dollar. Statt pro Kopf zu bezahlen, gab es nur noch Geld für maximal fünf Familienmitglieder. Egal, ob die Familie acht oder zehn Kinder hatte.

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Mit der Geldkarte können syrische Flüchtlinge selbst entscheiden, was sie einkaufen wollen.

Kein Essen? Keine Zukunft. Die Folgen bekam Europa, bekam Deutschland unmittelbar zu spüren: Die Syrer machten sich auf den Weg, auf nach Europa. Erst als die Syrienkrise in Menschengestalt in Deutschland angekommen war, gab es ein Umdenken. Jetzt ist Deutschland der größte Geber: 143,5 Mio Euro in diesem Jahr im Libanon.

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Vielen Dank Deutschland.

Doch auch 27 Dollar reichen eben gerade nur für das nötigste. Kleidung oder Hygieneartikel kann man mit der Lebensmittelkarte auch nicht kaufen. Aber weil Shaha Ibrahim sich bereit erklärt hat, sich pressewirksam mit Minister und Medientross durch die Gänge zu schieben, gibt es von allem  ein Päckchen mehr. Und auch eine Packung Halva, den süßen Nachtisch aus Sesam. Ein Glückstag, heute.

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Das ist der Einkaufswagen von Shaha Ibrahim – diese Menge kann sie pro Tag für ihre Familie einkaufen.

 
Soziale Medien
Zuletzt aktualisiert: 08.12.2016, 01:02:58