“Deutschland schläft schlecht”

Gepostet am 15.03.2017 um 17:06 Uhr

Die Zahlen sind alarmierend: Vier von fünf Berufstätigen schlafen schlecht – so das Ergebnis einer Studie der DAK. Die Gründe: Termin- und Leistungsdruck im Beruf, ständige Erreichbarkeit. Experten sind beunruhigt, denn nur wenige gehen zum Arzt. Von C. Scheld.

Die Zahlen sind alarmierend: Vier von fünf Berufstätigen schlafen schlecht – so das Ergebnis einer Studie der DAK. Die Gründe: Termin- und Leistungsdruck im Beruf, ständige Erreichbarkeit. Experten sind beunruhigt, denn nur wenige gehen zum Arzt.

Von Christoph Scheld, ARD-Hauptstadtstudio

Gut geschlafen heute Nacht? Falls Sie diese Frage mit “Ja” beantworten können, können Sie sich glücklich schätzen. Für immer weniger Deutsche ist das nämlich selbstverständlich – Schlafstörungen sind auf dem Weg zur Volkskrankheit.

“Deutschland schläft schlecht”, bringt es Andreas Storm auf den Punkt, der Chef der Krankenkasse DAK-Gesundheit. Die DAK hat mehr als 3500 ihrer berufstätigen Versicherten befragt. Vier von fünf haben zumindest gelegentlich Störungen beim Einschlafen oder Durchschlafen. Im Vergleich zur vorherigen Befragung vor sieben Jahren ein Anstieg von 66 Prozent.

Wenn der Schlaf dann auch noch schlecht ist und man sich in der Folge am Tag müde und erschöpft fühlt, sprechen die Fachleute von Insomnie. Die betrifft immerhin noch etwa jeden Zehnten. Zum Arzt gehen nur die wenigsten mit ihrem Problem.

Nachtschichten, Termin- und Leistungsdruck

So beunruhigende Zahlen hatte auch der Berliner Schlafforscher Ingo Fietze nicht erwartet: “So einen dramatischen Anstieg innerhalb von sechs, sieben Jahren – das beeindruckt schon. Und das macht auch ein bisschen Angst.”

Die Gründe hängen bei den meisten Betroffenen mit dem Berufsleben zusammen. Nachtschichten, starker Termin- und Leistungsdruck gelten als Risikofaktoren. Und wer von sich sagt, häufig an der Grenze der Leistungsfähigkeit zu arbeiten, ist prädestiniert für ernsthafte Schlafprobleme.

Und die Digitalisierung sei ein entscheidender Grund für den schlechten Schlaf, meint DAK-Chef Storm: “Viele Menschen kümmern sich nachts um die Akkus ihrer Smartphones, aber ihre eigenen Batterien sind nicht aufgeladen.”

Finger weg vom Smartphone

Ständige Erreichbarkeit sei Gift für gesunden Schlaf. Was also tun? Maßnahmen zur sogenannten Schlafhygiene seien inzwischen vielen bekannt, sagt Schlafforscher Fietze. Also Ruhe und Dunkelheit, leichtes Essen. Gerade den beruflich Engagierten müsse man raten: Finger weg von Smartphone und Laptop vor dem Schlafengehen. Pauschale Lösungen gebe es darüber hinaus kaum.

Bei Medikamenten rät der Experte zu Vorsicht. Bei pflanzlichen Präparaten wie Baldrian sei Geduld angesagt. Erst nach vier bis sechs Wochen könne man etwas über den Erfolg sagen. Und alles, was über solche Mittel hinausgehe, sei ein Fall für eine Verschreibung vom Arzt.

Siebeneinhalb Stunden sollten es sein

Wie viel Schlaf der Mensch eigentlich braucht, das konnten Mediziner lange nicht genau sagen. Inzwischen sei das aber weitgehend geklärt, sagt Schlafexperte Fietze. Etwa siebeneinhalb Stunden sei der Richtwert. Dauerhaft.

Das Fazit aus der Studie und der Appell von DAK-Chef Storm: “Wir müssen wieder lernen, dass Schlaf für unser Leben ein ganz entscheidender Faktor ist, um ausgeglichen, gesund und leistungsfähig zu sein.”

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. März 2017 u.a. um 10:45 Uhr und 17:45 Uhr in den Nachrichten.

Zuletzt aktualisiert: 24.08.2017, 03:05:39