Lerneffekt gleich null!

Gepostet am 13.10.2017 um 17:15 Uhr

Genug der Rankings und Vergleiche – die Flut an Daten der neuen Bildungsstudie verdecken die eigentlich wichtigen Fragen, meint Martin Mair. Nun müssten Antworten und vor allem Lösungen gefunden werden, weshalb manche Länder stets schlechter als andere abschneiden.

Genug der Rankings und Vergleiche – die Flut an Daten der neuen Bildungsstudie verdecken die eigentlich wichtigen Fragen, meint Martin Mair. Nun müssten Antworten und vor allem Lösungen gefunden werden, weshalb manche Länder stets schlechter als andere abschneiden.

Ein Kommentar von Martin Mair, ARD-Hauptstadtstudio

Nun sind Lob und Tadel für die Viertklässler wieder verteilt. Die Gewinner und Verlierer des neuesten Bildungstrends in Sachen Lesen, Schreiben und Rechnen stehen fest. Berlin und Bremen abgeschlagen, Bayern und Sachsen an der Spitze. Und natürlich die Erkenntnis, dass die Viertklässler insgesamt schlechter sind als vor fünf Jahren.

Wir Deutschen lieben es, unsere Schulwelt zu vermessen. Vielleicht weil das im unübersichtlichen Chaos der Länderkompetenzen so etwas wie Ordnung suggeriert. Seht her: Die im Norden können es nicht, jubelt der Süden. Gefühlt kann er das ja permanent tun, denn dem Bildungstrend folgt die PISA-Studie, nach dem TIMMS-Vergleich ist vor dem PIRLS-Ranking. Dass unsere Schüler überhaupt noch etwas lernen, zwischen all den Tests, ist ja fast schon ein Wunder.

Keine Interpretation, keine Konsequenzen

Bei der Faszination für all diese Ranglisten geht eine Frage allerdings ziemlich unter: Warum zur Hölle schreiben wir eigentlich all diese Listen? Die einzig sinnvolle Antwort wäre ja, daraus etwas zu lernen. Da allerdings werden die Autoren all dieser Tests sehr schnell schmallippig. Die Chefin des heute veröffentlichten Bildungstrends sagte kühn, es gehe ja gar nicht darum zu erklären, was ist, sondern darum zu beschreiben, wie es ist. Dies heißt im Klartext: Sie will ihre eigenen Ergebnisse nicht interpretieren. Und erst recht will sie keine Konsequenzen ableiten.

Kultusminister begeistert

Die einzelnen Kultusminister sind begeistert. Sie finden in dem Zahlenwust schon irgendetwas, was sie präsentieren können. Die Stadtstaaten etwa erklären ihre Rechenschwäche damit, dass sie ja einen so hohen Ausländeranteil haben. Nur: In Baden-Württemberg drücken ähnliche viele Migrantenkinder die Schulbank wie in der Hauptstadt, trotzdem sind die Schüler im Ländle die viel besseren Rechenfüchse. Hessen schmückt sich damit, dass es sich ja irgendwie überall leicht verbessert hat – unterschlägt aber, dass die Veränderungen so klein sind, dass sie statistisch nicht ins Gewicht fallen.

Und so kleistert die Flut der Rankings und Vergleiche die eigentlich wichtige Frage zu: Warum genau sind manche Bundesländer seit Jahren so viel schlechter darin, ihre Kinder zu unterrichten? Wie kommt man aus diesem Dilemma raus? Gerade in einer Zeit, wo Eltern mobiler werden. Mobiler werden müssen. Doch ein Umzug von Bremen nach Bayern fühlt sich für Schüler so an, als ob sie den Kontinent wechseln.

Deshalb: Schluss mit der permanenten Vermessung der Schule. Es gibt mehr als genügend Daten, die die Probleme beschreiben – sie liegen alle auf dem Tisch. Wir sollten nun dringend anfangen, nach wirklichen Lösungen zu suchen.

Testopfer Schule: Warum uns Bildungsstudien nicht weiterbringen
Martin Mair, MDR, ARD Berlin
16:17:00 Uhr, 13.10.2017

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 13. Oktober 2017 um 15:45, 16:20 und 17:05 Uhr.

Zuletzt aktualisiert: 22.10.2017, 13:54:50