Beim Thema Arbeit kennt Horst Seehofer keine Obergrenze

Gepostet am 04.08.2017 um 16:34 Uhr

Horst Seehofer könnte enden wie ein Fisch in unruhigem Wasser, sagt die bayerische Landesärztekammer. Denn der CSU-Chef will 2017 und 2018 keinen Urlaub machen. Warum eigentlich nicht?

Horst Seehofer will nicht so, wie Angela Merkel. Nein, es geht nicht um Flüchtlinge und Obergrenzen. Es geht um Urlaub. In diesen Tagen sieht man wieder Bilder der Bundeskanzlerin in ihrem Sommerurlaub, das immer gleiche “Kanzler-Käppi”, wie es die “Bild” nennt, die immer gleichen Wanderschuhe, das immer gleiche Südtirol.

Eine feste Konstante in Merkels Leben ist der dreiwöchige Sommerurlaub in den Bergen. Wahlkampf? Wozu Wahlkampf? Diesel-Gipfel? Soll doch der Dobrindt machen. Merkel macht Urlaub und signalisiert den Bundesbürgern damit Gelassenheit und Ruhe. Und sie zeigt: Ihr fleißigen Untertanen könnt es auch. Gönnt euch eine Auszeit, wer arbeitet, darf auch mal abschalten.

“Ein paar Tage im August”

Nicht aber Horst Seehofer. Laut der dpa hat er in München angekündigt, dass er in diesem und im nächsten Jahr auf Urlaub verzichten will. “Urlaub im eigentlichen Sinne gibt es heuer nicht und auch im nächsten Jahr nicht. Ein paar Tage im August in denen man ausschlafen kann, das reicht mir.” Nun gut, wer nicht will, der hat schon, könnte man sagen. Doch nicht jedem gefällt Seehofers Workaholismus.

Der Präsident der bayerischen Landesärztekammer, Max Kaplan, warnt den CSU-Chef auf geradezu biblische Weise in einem Beitrag für das “Redaktionsnetzwerk Deutschland”: “Wer nie Urlaub macht, der treibt am Ende wie ein Fisch in unruhigem Wasser – und merkt gar nicht, dass die Wellen über ihm zusammenschlagen.” Außerdem sei Seehofer durch seine Verzichtserklärung ein schlechtes Vorbild: “Denn wer traut sich schon, frohgemut zu verreisen, wenn der Chef suggeriert, dass Erholung unnötig ist?”

Drei Wochen an einem Stück

Drei Wochen Pause am Stück müssen es laut Kaplan im Jahr mindestens sein, um nicht wie ein Fisch in unruhigem Wasser zu enden. Abgesehen von Kaplans Warnung an Seehofer vor einem Burnout stellen sich dem Beobachter allerdings einige Fragen. Warum will Seehofer keinen Urlaub machen? Hat er Sorge vor einem neuen Martin-Schulz-Hype, sobald die CSU-Maschinerie stillsteht? Gibt es für ihn in Sachen Arbeit keine Obergrenze?

Oder ist die Arbeit des CSU-Chefs und Bayerischen Landesvaters etwa so entspannt, dass Seehofer einfach keinen Urlaub braucht? Schließlich hat er, wenn er Urlaub gemacht hat, diesen meistens in Bayern verbracht, denn da sei es eh am Schönsten. Bayerischer Ministerpräsident müsste man sein.

Zuletzt aktualisiert: 24.10.2017, 11:31:11