Letzte Debatte im Bundestag: Die Zukunft ist Nahles

Gepostet am 05.09.2017 um 16:20 Uhr

Die letzte Debatte im Deutschen Bundestag war teilweise lustig und mit Wahlkampf gespickt. Wurden auch Weichen für die nächste Legislaturperiode gestellt? Unser Kommentator macht jedenfalls den neuen Star der SPD aus.

Vorbei, letzte Sitzung des Bundestages. Zum Abschied von rund 100 Abgeordneten des Bundestages wirken alle irgendwie gelöst. Es wird viel gedankt: dem Bundestagspräsidenten, den Mitarbeitern und wem auch immer. Mancher Dank hat den Geruch des Vergifteten. Die Bundeskanzlerin dankt der SPD für die gute Zusammenarbeit, für die Kollegialität, fürs Mittun an der Zukunft Deutschlands. Jeder Unionsredner macht dies so auffallend, dass der SPD ganz schummerig wird. Bei der SPD werden die Gesichter lang und die Lippen schmal.

Gehört Thomas Oppermann bald der Vergangenheit an?

Alles hätten sie jetzt von Merkel gebraucht – aber keinen Dank. Den Dank, Dame, begehr ich nicht. Der Fehdehandschuh soll doch geworfen werden. Das kommt schlecht im Wahlkampf, einer muss es versuchen. Der Kandidat hat ihn wohl dazu ausgeguckt. Keine Dankbare Aufgabe, Fraktionschef Oppermann fasst zusammen: alles war schlecht. Wenig ist geblieben und für soziale Gerechtigkeit stehen wir und unser Frontmann: der Kandidat. Der macht Wahlkampf mit jungen Leuten. Das passt.

Oppermann versucht anzugreifen und bekommt vom nächsten Redner doch wieder nur Dank. Wahlkampf aus der Großen Koalition heraus ist schwer. Das merkt Oppermann, dessen vielleicht letzte Rede als Fraktionschef redlich schlecht war. Er hat sich noch einmal bemüht, dem Kandidaten die Sprechpuppe gemacht. Oppermann könnte auch bald Vergangenheit sein. Er weiß das.

Andrea Nahles verkörpert die Zukunft der SPD

Das Neue ist so nah, oder die Neue. Sie sitzt gut gelaunt auf der Regierungsbank und scherzt mit dem Finanzminister, spricht eine halbe Stunde nach Oppermann. Andrea Nahles, die Sozialministerin. Da zeigt jemand wie Regierung und Opposition geht, wie Wahlkampf und Bilanz zusammengehen. Wir hätten mehr machen können, was wir aber machten war gut. In Zukunft werden wir aber jenes machen müssen, weil es vernünftig ist.

Auf der Regierungsbank wenden sich die Köpfe zu Nahles. Sie greift Merkel nicht an, sie sagt wie es besser geht. Merkel merkt, da spricht ein Talent, jemand der es will, der Kraft und Chuzpe besitzt. Die Kanzlerin lächelt – anerkennend. Nahles weiß, dass der Zeitpunkt HIER zu sagen, ich WILL zu sagen, unmittelbar nach dem 24. September ist.

Biss und Willen

Nahles bekam für ihre Rede zum Thema Rente großen Applaus von ihrer Fraktion. Ein Applaus, der auch der künftigen Fraktionschefin gelten mag. Wenn jemand die Zukunft der SPD verkörpert, dann Andrea Nahles. Sie braucht nicht an den Zäunen des Kanzleramtes zu rütteln. Jeder weiß, dass sie da rein will.

Nahles bisherige Karriere hat gezeigt: Wenn sie etwas will, dann schafft sie das. Die Frau hat Biss, Willen und ist, was nicht selbstverständlich ist: sympathisch. Weil sie weiß wo sie herkommt und weiß, wo sie hin will. In vier Jahren. Die Zukunft hat mit dem Ende der 18. Legislaturperiode begonnen.

Zuletzt aktualisiert: 26.09.2017, 02:19:10