Ein gutes Pferd wäre höher gesprungen

Gepostet am 03.08.2017 um 15:40 Uhr

Für Bundesregierung und Ministerpräsidenten war der Diesel-Gipfel ein wichtiger Schritt hin zu sauberen Städten. Für Umweltverbände, Verbraucherschützer und Opposition eine einzige Enttäuschung. Da wäre deutlich mehr drin gewesen, findet auch Julia Barth.

 

Ein gutes Pferd springt nur so hoch wie es muss. Maximales Ergebnis mit minimalem Aufwand. So hat die Autoindustrie gestern ihren vermeintlichen Sieg gegen die Politik, den Umwelt- und den Gesundheitsschutz eingefahren. Mit ihren Minimalzugeständnissen haben die Konzerne aus Sicht des Verbandes der Automobilindustrie einen weltweit einzigartigen Beitrag geleistet.

Tatsächlich ist dieser Beitrag eine einzigartige Frechheit. Softwareupdates für neuere Diesel und eine womöglich ohnehin als Rabatt eingepreiste Umweltprämie – dass das am Ende die erforderlichen Einsparungen beim Stickoxidausstoß bringt, dürften sich die Autobauer eigentlich nicht mal selber glauben. Experten, die denken, dass das reicht, finden sich nicht mal unter den Industriefreunden.

Absage der Konzerne

Trotzdem steht die klare Absage der Konzerne, Diesel-Autos auch technisch nachzurüsten. Eine Ohrfeige für alle, die es ernst meinen mit Umwelt- und Gesundheitsschutz. Gewonnen haben die Autohersteller damit aber nur auf den ersten Blick. Auch dank der schützenden Hand, die Bundesregierungen zum Wohl von Arbeitsplätzen jahrelang über die deutsche Autoindustrie gehalten haben, hat die einen Trend verschlafen, der sie eben diese Arbeitsplätze kosten könnte.

Dann nämlich, wenn die deutschen Autobauer zu spüren bekommen, dass internationale Wettbewerber sie mit moderner Antriebstechnologie abhängen, weil hier viel zu lange der Innovationsdruck fehlte. Manchmal muss ein gutes Pferd so hoch springen, wie es kann. Die deutsche Autoindustrie riskiert mit der fahrlässig verpassten Chance auf eine ernst gemeinte und überfällige Trendwende stattdessen den Sturz.

Zuletzt aktualisiert: 23.08.2017, 12:02:04