Bundeskanzlerin Angela Merkel (Quelle: Imago)

Merkel, die Meisterdiplomatin

Gepostet am 14.03.2017 um 17:30 Uhr

Die Kanzlerin wirkte zuletzt sowas von langweilig mit ihrer Rationalität und ihrer Besonnenheit. Aber der Irrsinn auf der weltpolitischen Bühne, namentlich die maßlosen Provokationen aus Ankara, zeigen: Merkels Methode ist gefragter denn je. Ein Kommentar.

Viele Leute sind gerade besonders unzufrieden mit Angela Merkel. Weil die Kanzlerin den rasenden türkischen Präsidenten rasen lässt. Diese Leute verlangen sinngemäß, dass Merkel endlich auf den Tisch haut. Annegret Kramp-Karrenbauer zum Beispiel, die saarländische Ministerpräsidentin. Sie will nicht warten, bis der Bund die Dinge regelt, sondern jetzt schon mal Wahlkampf-Auftritte türkischer Politiker verbieten.

Das soll mutig sein.

Es wäre vielleicht sogar mutig, wenn es einen türkischen Politiker gäbe, der im Saarland auftreten will. Gibt es aber nicht. Auch Martin Schulz macht auf knackig. Der SPD-Kanzlerkandidat muss immerhin seinen Ruf nähren, ein Mann klarer Worte zu sein. Also leistet er der Kanzlerin Formulierungshilfe: „Jetzt reicht’s!“ , müsse ein Kanzler sagen, wegen der türkischen Nazi-Vergleiche.

Spielen wir das mal durch.

Stellen wir uns vor, Merkel würde sich im Kanzleramt hinstellen, statt der Raute eine Faust machen, damit auf ihr schmales, rundes, schwarzes Stehpult hauen und sagen: Jetzt reicht’s! Und dann würde sie hinterherschieben, dass sie alle Auftritte türkischer Regierungsmitglieder in Deutschland verbiete.

Was würde das wohl in Ankara auslösen? Würde Erdogan erschrecken? Wäre er betreten? Peinlich berührt? Nein, er würde frohlocken. Denn Erdogan bekäme genau das, was er sich erhofft: einen weiteren Tropfen Öl für sein Wahlkampf-Feuer. Dieses Geschenk macht Angela Merkel ihm nicht.

Der Grund dafür ist nicht allein das Flüchtlingsabkommen. Wer sagt, dieses Abkommen mache Merkel erpressbar, vergisst, dass da noch ein paar andere Dinge auf dem Spiel stehen. Zum Beispiel die NATO-Mitgliedschaft der Türkei. Wladimir Putin wartet nur darauf, dass die Türken sich aus dem westlichen Verteidigungsbündnis verabschieden. Dafür bräuchte ihr Präsident Erdogan aber Gründe. Von Merkel erhält er sie jedenfalls nicht.

Wer provoziert wird, steht immer vor der Entscheidung:

Lässt er sich provozieren, oder spielt er sein eigenes Spiel? Merkel spielt ihr Spiel. Es heißt Diplomatie. Es verlangt Uneitelkeit, Selbstbeherrschung, Klugheit. In einem Wort: Es verlangt Merkel.

 

Zuletzt aktualisiert: 21.11.2017, 01:33:14