Mit Vollgas in den Wahlkampf

Gepostet am 21.02.2017 um 11:00 Uhr

Nach der Kür von Martin Schulz zum SPD-Kanzlerkandidaten sind die Sozialdemokraten weiterhin im Umfragehöhenflug.

Während die anderen in Sachen Wahlkampf noch im Schlafwagen unterwegs sind, gibt Martin Schulz schon Vollgas! Seit seiner Nominierung vor drei Wochen ist er ständig unterwegs – reist quer durch Land, spricht mit vielen Menschen und hat damit Erfolg wie ihn die Sozialdemokraten nicht zu träumen gewagt hätten! Er bekommt dabei ein Stimmungsbild geboten, das realer nicht sein kann. Es geht uns gut in Deutschland, die Wirtschaft brummt, die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie seit Jahrzehnten nicht. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere, die klingt ganz anders: Junge Menschen hängen ewig in befristeten Verträgen herum, “Schein-Selbstständige” haben kaum das Geld um ihre Krankenversicherung zu zahlen, Arbeitslose über 50 rutschen nach nur 15 Monaten auf Sozialhilfeniveau.

Schulz hat in Bielefeld den Finger in eine Wunde gelegt, die seine Partei bis heute schmerzt. Die Agenda 2010! Für die einen das wichtigste Reformprojekt seit Jahrzehnten, für die anderen: Sozialabbau pur. Dazwischen steht jetzt Martin Schulz. Er verspricht in Bielefeld mehr und besseren Schutz bei Arbeitslosigkeit, will die befristeten Arbeitsverträge eindämmen und sucht den Schulterschluss mit den Gewerkschaften! Er kann das glaubwürdiger als jeder andere in der Partei. Denn einen Vorwurf kann ihm keiner machen: Du saßt doch jahrelang mit am Kabinettstisch einer Großen Koalition und hätte das alles längst verändern können. Er hat sich in Bielefeld beim Kernthema der SPD eindeutig positioniert, klar gemacht wohin die Reise geht: nach links! Und es macht nicht den Eindruck, als würde ihm das schaden. Ganz im Gegenteil: Die SPD wartete gerade zu sehnsüchtig darauf, dass endlich einer sagt, was falsch gelaufen ist! Martin Schulz macht das, was Merkel bisher nicht getan hat: er korrigiert, er legt sich fest und er verspricht! Daran wird er sich ab sofort messen lassen müssen. Die Latte liegt verdammt hoch! Es dürfte die letzte große Chance der SPD sein, mit dieser Strategie diejenigen zurückzuholen, die vor 15 Jahren gesagt haben: “Nie mehr SPD!”.

Zehn Millionen Wähler sind seit der Ära Gerhard Schröders der Partei verloren gegangen. Wenn Schulz nur einen Bruchteil zurückgewinnt, könnte es tatsächlich für den ganz großen Coup reichen.

Zuletzt aktualisiert: 21.10.2017, 14:10:57