Schlechte Stimmung bei den Grünen

Gepostet am 21.02.2017 um 10:50 Uhr

Angesichts des Umfrage-Aufschwungs der SPD setzen die grünen Spitzenkandidaten auf den Schulz-Effekt.

Katrin Göring-Eckardt trägt einen Blazer, der im Schnitt an Kleidungsstücke von Angela Merkel erinnert. Der Blazer der Grünen-Politikerin ist rot. SPD-rot. Ein roter Merkel-Blazer, das wirkt so, als wollte Göring-Eckardt signalisieren: Alles ist offen. Schwarz-grün und jetzt auch rot-grün. Wegen Schulz-Effekt und der SPD, die in den Umfragen durch die Decke geht. Das war dann auch ihre Nachricht an die Presse, nach der Parteiratssitzung.

“Wir werden unser Profil schärfen und wir werden klar und deutlich sagen, wofür wir stehen. Und das ist erst mal unabhängig von allen anderen.”

Also keine klare Koalitionsaussage für den Wahlkampf. Die Grünen wollen ihr Ding machen. Trotz der schlechten Umfragewerte. Doch hinter den Kulissen wird gerungen um den Kurs. Denn interne Analysen haben ergeben: Eine große Mehrheit der Grünen-Wähler wünscht sich eigentlich einen Kanzler Martin Schulz und nicht die Wiederwahl von Angela Merkel. Das ist weder verwunderlich noch überraschend. Das Problem ist jedoch, dass Katrin Göring-Eckardt und Cem Özdemir als Spitzenkandidaten in den Wahlkampf starten. Von der Basis frisch gewählt, bevor SPD-Parteichef Sigmar Gabriel Martin Schulz aus dem Hut zauberte. Göring-Eckardt und Özdemir, beide stehen für den Realo-Flügel und eine größere Affinität zu schwarz-grün. Und jetzt das. Anpassungsbedarf.

“Wir sind sehr froh, das Bewegung in die Situation kommt, das nicht mehr der Eindruck entsteht, es gibt nur eine Partei die gewinnen kann, ganz im Gegenteil. Wir sind sehr froh, dass die deutsche Sozialdemokratie auf die Füße kommt und es wieder eine echte Wahlentscheidung gibt.”

Und noch deutlicher:

“Wenn es reicht für rot und grün, dann wird das unsere Präferenz sein.”

Auch Özdemir spricht vom politischen Aufbruch, der mit der SPD möglich sei. Im Aufwind fühlen sich jetzt die in der Partei, die schon immer etwas skeptischer auf schwarz-grün geblickt haben. Michael Kellner zum Beispiel, der den Wahlkampf leitet.

“Wir sehen in einem großen Maß auch eine – würde ich sagen auch eine Ermüdung mit Angela Merkel und einen Wunsch nach Veränderung in diesem Land.”

Dass das neue Spitzenduo Göring-Eckardt und Özdemir eine Festlegung auf schwarz-grün sei – das sehe er nicht. Es ist eine etwas skurrile Situation, die sich da darstellt. Die Grünen haben so viele Mitglieder wie noch nie – über 60.000. Doch in den Umfragen liegt die Partei am Boden. Robert Habeck, der stellvertretende Ministerpräsident aus Schleswig-Holstein hat die Urwahl zum Spitzenkandidaten extrem knapp verloren, ist den beiden Lagern bei den Grünen nicht so klar zuzuordnen und hätte das neue Gesicht sein können, das Martin Schulz für die SPD ist. Jetzt heißt es umgehen mit der Situation.

Zuletzt aktualisiert: 24.10.2017, 07:48:11