Es wird eng – der Bundestag wird umgebaut

Gepostet am 09.02.2017 um 11:50 Uhr

Alle fünf Jahre steigt im Bundestag das große Stühlerücken. Der Plenarsaal wird umgebaut, denn statt 630 Abgeordneten müssen nun 1260 Delegierte reinpassen. Eine logistische Mammutaufgabe.

Der große Umbau begann am Montag: Erst verloren die Hinterbänkler ihre bundestagsblauen Polsterstühle, dann schraubten sich die Handwerker Reihe für Reihe durch das Halbrund langsam Richtung Rednerpult voran – die Abgeordnetensitze landeten, einzeln in Plastikfolie verpackt, in grünen Rollbehältern – und wurden dann aus dem Plenarsaal in den Lastenaufzug geschoben.


Und dann kamen die schwarzen Tische mit der Ablage für Akten und Redemanuskripte und den versenkten Mikrofonen für die Zwischenfragen der Abgeordneten dran, Tisch für Tisch demontiert – wie alle fünf Jahre bleibt dann auf dem grauen Teppichboden nur Kabelsalat übrig, der aber auch noch verschwinden soll.

Doppelt so viele Stühle

Die Aufgabe für den Umbau zum Wahlsonntag ist schnell beschrieben: Ins Plenum mit seinen üblicherweise 630 fest verschraubten Sitzen müssen für die Bundespräsidentenwahl genau doppelt so viele schwarze Stapelstühle rein – 1260.

Aus der Perspektive des großen Bundesadlers an der Stirnseite des Plenums ein zweigeteiltes Bild: Unangetastet bleiben das Präsidium und die Regierungsbank sowie die erste Bankreihe der Abgeordneten. Dahinter wurden enge Reihen mit schwarzen Stühlen aufgefüllt. In der ersten Reihe werden am Sonntag auch die wichtigsten Personen, die Kandidaten sitzen.

Eine einsame graue Wahlkabine steht links unterm Bundesadler, im Foyer warten in mehreren Batterien weitere Wahlkabinen, denn der namentliche Aufruf der 1260 Wahlleute am Sonntag und dann das geheime Abstimmen werden die meiste Zeit in Anspruch nehmen, bis Bundestagspräsident Lammert das Ergebnis verkündet.

Wer nächster Bundespräsident wird, mag bereits klar sein, aber Wahl ist Wahl. Und danach, nach kurzer Zeremonie, ziehen die Wahlleute am Sonntag ins benachbarte Paul-Löbe-Haus, um sich zu stärken. Im Plenarsaal beginnt dann die Rolle Rückwärts – Umräumen, Einbau der 630 Stühle und Tische, Verkabelung der Mikrofone – denn am Mittwoch wird das Plenum wieder gebraucht für eine normale Sitzung.

Die gute Nachricht: Läuft alles planmäßig, sind bis zum nächsten Umbau wieder fünf Jahre Zeit.

Zuletzt aktualisiert: 24.03.2017, 16:59:27