Anschluss für alle – Gehörlose sollen bald rund um die Uhr telefonieren können

Gepostet am 18.07.2017 um 16:39 Uhr

Wer als Gehörloser nachts einen Notarzt braucht, hat meist Pech. Der Gebärden-Dolmetscher hat da Sendepause. Das will Bundeswirtschaftministerin Zypries jetzt ändern, wie Marion von Haaren berichtet.

“Es ist ein besonderer Tag, eine besondere Situation”. Bundesministerin Zypries hat Wort gehalten. “Wir freuen uns sehr darüber,“ sagt Wolfgang Bachmann vom Deutschen Gehörlosen-Bund. Nicht mit Worten, sondern in Gebärdensprache.

80.000 Gehörlose in Deutschland

Bundeswirtschaftsministerin Zypries hatte sich für die rund 80.000 Gehörlosen und die Hunderttausenden Schwerhörigen in Deutschland stark gemacht. Seit 2006 können sie sich über Internet mit einem Gebärdensprach-Dolmetscher in Verbindung setzen. Eine Art Skype-Schalte. Der Gebärdensprach-Dolmetscher ruft während dieser Schalte die gewünschte Nummer an und übersetzt simultan in Sprechsprache. Diesen Dienst boten die Telefongesellschaften von 8 Uhr morgens bis 23 Uhr nachts an. Danach herrscht für Gehörlose – was den Telefonkontakt angeht –  “Funkstille”.

Nachts herrscht Funkstille

Dieses Kommunikationsloch will Brigitte Zypries jetzt schließen. Schon allein deshalb, weil Gehörlose in der Nacht technisch keinen Notruf erreichen können. Sie ist als Bundeswirtschaftsministerin zuständig für  Telekommunikationsdienste.

“Wir schaffen es jetzt, dass Gehörlose rund um die Uhr die Möglichkeit haben werden, mithilfe eines Dolmetschers auch Menschen anzurufen, die keine Gehörlosensprache verstehen.” Also auch Polizei und Feuerwehr.

Nachtlücke bald Vergangenheit?

Die noch bestehende Nachtlücke soll ab Sommer 2018 geschlossen werden. Solange dauert es wohl noch, bis genügend Gebärdensprachdolmetscher gefunden und die technischen Voraussetzungen bei Telefongesellschaften erfüllt seien, sagt Sabine Broweleit, Geschäftsführerin von TESS, einer Dienstleistungsagentur für Gehörlose.

Erst wenn auch Gehörlose jederzeit eine Telefonnummer erreichen können, erfülle unsere Gesellschaft den Anspruch, alle Bürger am technischen Fortschritt teilhaben zu lassen.

Zuletzt aktualisiert: 26.09.2017, 18:31:07