Im “Intrigantenstadl” AfD ist alles möglich

Gepostet am 13.02.2017 um 18:43 Uhr

Die AfD steht mal wieder vor einer dramatischen Machtprobe. Höckes Rauswurf aus der Partei ist alles andere als sicher, kommentiert Dagmar Pepping. Hat er doch mächtige Unterstützer. Vielmehr muss die AfD-Vorsitzende Petry um ihren Stuhl zittern.

Die AfD steht mal wieder vor einer dramatischen Machtprobe. Höckes Rauswurf aus der Partei ist alles andere als sicher, kommentiert Dagmar Pepping. Hat er doch mächtige Unterstützer. Vielmehr muss die AfD-Vorsitzende Petry um ihren Stuhl zittern.

Ein Kommentar von Dagmar Pepping, NDR

Björn Höcke kann sich entspannt zurücklehnen. Der Rechtsausleger der AfD wird die Partei wahrscheinlich nicht verlassen müssen. Höcke hat mächtige Unterstützer: Anhänger seines stramm national-konservativen Kurses sitzen sowohl im Landesschiedsgericht Thüringen, das sich zuerst mit seinem Rauswurf beschäftigen wird, als auch im Bundesschiedsgericht der AfD, der nächsten Instanz.

Auch Co-Parteichef Jörg Meuthen und der einflussreiche Strippenzieher und AfD-Vize Alexander Gauland halten ihre Hand schützend über Höcke. Die drei Männer eint ihre Feindschaft mit Frauke Petry, die sie unbedingt als alleinige Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl verhindern wollen. Höckes rechtes Rumschwadronieren nehmen die beiden feinen Herren Meuthen und Gauland gerne mit, weil es der AfD vor allem im Osten Deutschlands Stimmen bringt. Das ist unappetitlich, aber kühl kalkuliert.

Petry will ihren Stuhl retten

Frauke Petry hat Höcke ebenfalls sehr lange gewähren lassen. Die AfD-Vorsitzende fischt auch gerne in der braunen Brühe, wenn es ihr nutzt. Beispiel gefällig? Petry möchte den Begriff “völkisch” wieder positiv besetzen. Weshalb erst jetzt die klare Kante gegen den rhetorischen Wiederholungstäter Höcke? Weil in den nächsten Monaten drei Landtagswahlen stattfinden und die AfD im Herbst erstmals in den Bundestag einziehen will.

Petry und die Mehrheit im AfD-Bundesvorstand sorgen sich, dass Höckes unsägliche Äußerungen und Provokationen Wähler aus dem gemäßigteren bürgerlichen Lager abschrecken könnten. Außerdem treibt sie die berechtigte Angst um, dass Höcke in der AfD noch mehr Einfluss gewinnen könnte. Petry will ihren Stuhl retten. Um Moral geht es ihr bei diesem versuchten Rauswurf  nicht.

Petry könnte Parteivorsitz verlieren

Die “Alternative für Deutschland” steht mal wieder vor einer dramatischen Machtprobe. Bis zu einer Entscheidung im Parteiausschlussverfahren gegen Höcke dürften viele Monate ins Land ziehen. Die Entscheidung über die Richtung der AfD könnte aber bereits Ende April fallen – auf dem Bundesparteitag in Köln. Dort müssen die Delegierten nämlich einen neuen Bundesvorstand wählen.

Höcke, Gauland und Meuthen könnten in Köln gemeinsam dafür sorgen, dass Petry den Parteivorsitz verliert und dass die anderen acht Vorstandsmitglieder, die für Höckes Parteiausschluss gestimmt haben, nicht wieder in das Führungsgremium gewählt werden. Im “Intrigantenstadl” AfD ist alles möglich!

Björn Höcke hat recht: Der heutige Vorstandsbeschluss birgt die Gefahr einer Spaltung. Fragt sich nur, wer die Partei am Ende tatsächlich verlassen muss.

Kommentar: “High Noon” bei der AfD
Dagmar Pepping, ARD-Studio Berlin
17:08:00 Uhr, 13.02.2017

Zuletzt aktualisiert: 19.10.2017, 03:40:08